Sichtweise
„Noch nie haben Hunde in unserer Gesellschaft eine so hohe Wertigkeit erfahren und noch nie wurde gleichzeitig so wenig Rücksicht auf ihr Wesen genommen“
Dr. Erik Ziemen (†)
Viele Hundehalter sind sehr bemüht alles richtig zu machen. Das richtige Maß zu finden, fällt dennoch den meisten schwer.  Dabei wollen doch alle ein harmonisches Miteinander mit ihrem Hund. Birgt etwa der Begriff “Harmonie” die Schwierigkeit in sich? Liegt es daran, dass ein Hund auch mal begrenzt werden muss? Dass man sich nicht immer nur lustig und nett darstellen kann? Habe ich Angst, dass mich mein Hund nicht mehr mag, wenn ich auch mal ein “Nein” formuliere? Hunde brauchen einen stabilen sozialen Rahmen, um den Anforderungen des Alltags gewachsen zu sein. Und das beinhaltet auf der einen Seite Förderung von positivem Verhalten, aber eben auch, situativ angemessen Grenzen zu setzen.
Das Zusammenleben mit einem Hund und dessen Erziehung beinhaltet die komplexe Auseinandersetzung mit einem hoch sozial entwickelten Lebewesen. Unterschiedliche Faktoren lassen Schwierigkeiten in der Mensch-Hund-Beziehung entstehen, die nicht über das formal gelernte “Sitz”, “Platz” und “Fuß” und die einseitige Konditionierung von erwünschtem Verhalten dauerhaft zu lösen sind.
Ein anderer Aspekt ist die gegenseitige Rücksichtnahme in unserer Gesellschaft. Sie läßt leider oft zu wünschen übrig. Ekard Lind hat einmal treffend bemerkt: “Manche Hundehalter erwarten viel, mitunter auch zuviel Verständnis von ihrer Umwelt. Die Freiheit ihres Hundes, noch mehr ihre eigene hundehalterische Freiheit drängen die Rechte anderer allzu leicht in den Hintergrund. Das klassische Beispiel ist der Allerwelts-Satz: “Der tut nix”. Mit den kompakten drei Worten deklariert man den eigenen Hunden als ungefährlich und daher als zumutbar. Daraus folgert man: einen zumutbaren Hund kann man frei laufen lassen. Der andere, egal ob Mensch oder Hund, soll gefälligst keine Angst haben und er soll sich ausbellen, anbellen, annähern und beschnuppern lassen.”
Ich wünsche mir, dass noch mehr Hundehalter ihren Mitmenschen mit und ohne Hunden respektvoll begegnen und deren Recht auf Distanz achten. Und dass sie die Verantwortung tragen, die sie übernehmen, wenn sie sich für ein Leben mit Hund entscheiden.
